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  • »Man tut sich schwer, den ›Feind‹ zu benennen«, Jacques Wajnsztejn, Yves Coleman

    Interview mit Yves Coleman und Jacques Wajnsztejn
    Paris wurde im vergangenen Jahr mehrfach von terroristischen Anschlägen erschüttert. Am 7. Januar 2015 stürmten Islamisten die Redaktion der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo und erschossen fast alle der dort Anwesenden. Am 9. Januar überfiel ein weiterer Islamist den koscheren Supermarkt Hyper Cacher und tötete vier Menschen. Nur gut zehn Monate später, am 15. November, erfolgte der nächste, nunmehr groß angelegte Angriff. Bei Anschlägen an (...)

  • Einige Überlegungen zu Kapitalismus, Kapital, kapitalisierte Gesellschaft1, Jacques Guigou, Jacques Wajnsztejn

    Die aktuelle Krise hatte uns angeregt, das Buch „Crise financiére et capital fictif“2 zu schreiben, wobei wir von Marx ausgegangen sind, aber versucht haben, uns eher auf eine dynamische3 als auf eine archäologische4 Auffassung der Analyse des Kapitalismus zu stützen. Deshalb wollten wir eine solche Analyse auch, im Zuge einer Klärung der von uns verwendeten „Kategorien“, in den Kontext einer langen historischen Bewegung („longue durée“) einbetten, während die Marxsche Analyse auf die historisch (...)

  • Teilbewegungen und ihre Folgen, Jacques Wajnsztejn

    I. Der momentane Verlauf der Teilbewegungen
    Der folgende Text2 wurde im Januar 1999 als Beilage zu Heft 11 der Zeitschrift „Temps Critiques" veröffentlicht. Er wurde von Jean-Louis Rocca und mir nach Vorfällen bei den „Drei Tagen" des libertären Buchladens „La Gryffe" in Lyon, die aus einem zumindest provokativen Auftreten einer Gruppe von Radikalfeministinnen resultierten, das die Abschlußdebatte brutal unterbrach, ad hoc geschrieben. Da auch die französische antispeziesistische Bewegung3 ihr (...)

  • Die Krise der Arbeit erfordert eine Revolution in der Theorie, Jacques Wajnsztejn

    Die Kritiker der Arbeit
    Bei den ersten Sozialisten läßt sich eine durchgehende Verwechslung der Begriffe Tätigkeit und Arbeit feststellen. Für Proudhon sollte sich die Arbeit einer kreativen Tätigkeit annähern. Das ist eine menschliche Aktivität, die es zu allen Zeiten gegeben hat und die man in alle ökonomischen Formen gießen kann. Die Arbeit ist gewissermaßen ein Derivat der natürlichen und freien Tätigkeit. Was Fourier betrifft, so beharrte dieser darauf, daß man angenehme Formen der Arbeit finden (...)

  • Von der Autonomie zu den Autonomien, Jacques Wajnsztejn

    Welche Form „die Autonomie" in den letzten Jahren auch angenommen hat, sie ist immer mit den Bewegungen der Kämpfe der sechziger und siebziger Jahre verbunden gewesen, Bewegungen, die sich aus verschiedenen Gründen im Bruch mit der existierenden Ordnung und den woher auch immer kommenden herrschenden Werten gebildet haben: Bruch mit dem american way of life, Bruch mit den traditionellen Organisationen der Arbeiterklasse, Bruch mit der Akzeptanz einer mißlungenen Vergangenheit.
    Diese Brüche (...)

  • Einige Präzisierungen zum Begriff des „kapitalistischen Reproduktionssystems“, Jacques Wajnsztejn

    Während der Marxismus die Geschichte der Gesellschaften als die einer Abfolge von Produktionsweisen sieht, repräsentiert für mich das kapitalistische System, in seiner ursprünglichen und bürgerlichen Form, die einzige Produktionsweise der Geschichte im strengen Sinne. Wenn auch in den meisten Gesellschaften eine produzierende Tätigkeit bekannt war, so hat doch einzig der Kapitalismus dieser Aktivität zur Autonomie verholfen, ihr sodann die anderen untergeordnet und schließlich die Herrschaft des (...)

  • Wert ohne Arbeit, Jacques Wajnsztejn

    In den vorkapitalistischen Formen war die Arbeit vor allem ein Herrschaftsmittel und die eigentlich ökonomische Ausbeutung stellte nur einen sekundären Aspekt dar, da das Hauptziel dieser Gesellschaften weder die Akkumulation noch die erweiterte Reproduktion war.1
    Erst mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise verbindet man Wert und Arbeit, indem man in der Arbeit bloße Wertschöpfung sieht,2 während sie doch zugleich Disziplin, Arbeitszwang und Arbeitsordnung bedeutet, auch (...)

  • Gewalt und Revolution, Jacques Wajnsztejn

    Der Text dieses Artikels wurde von Jacques Wajnsztejn aus seinen beiden Büchern Individu. Révolte et Terrorisme. Paris Nautilus 1987 (18 rue Oger, 92340 Bourg la Reine) und Paroles directes. Légitimité révolte et révolution : autour d’Action directe (Gemeinschafts­arbeit), Editions Acratie (BP 23, 64130 Mauléon) für die deutsche Übersetzung zusammengestellt. Aus dem Französischen von Elfi Müller und Michael T. Koltan.
    Im folgenden werde ich versuchen, die Hindernisse und Fallen zu bestimmen, die sich (...)